Die Balkanländer sind ein Zwischenglied der Logistik zum nahen Osten

 

 

 

Transport und Logistik zum Balkan 
Die Märkte Osteuropas werden innerhalb Europas immer wichtiger. Der Austausch von Waren und Gütern nimmt ständig zu. Eine wichtige Rolle spielen Transport und Logistik dieser Güter. Da die einzelnen Länder sich hierin stark voneinander unterscheiden, soll eine Auflistung der landestypischen Gegebenheiten dabei helfen, Transport und Logistik zum Balkan sicher und verlässlich zu organisieren. Zu den Balkanländern zählen die Länder Slowenien, Kroatien, Serbien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und Montenegro, der Kosovo sowie Rumänien, Albanien und Bulgarien.


Slowenien

Die Straßen: Durch die unmittelbare Nähe zu Österreich hat Slowenien ein gut ausgebautes Straßennetz mit einer Autobahn von Cilli über Laibach (Ljubljana) zur Adria nach Görz, Triest und Koper.

Logistik: In Slowenien gibt es für LKWs über 7,5 t beziehungsweise einer Länge von mehr als 14 m Fahrverbote. Diese gelten an Sonntagen, Feiertagen und anderen arbeitsfreien Tagen von 6 bis 22 Uhr. Während dieser Zeit ist auch keine Einreise nach Slowenien möglich. Hinzu kommt ein Samstagsfahrverbot im Sommer zwischen 8 bis 13 Uhr.

An die Logistik stellen sich in Slowenien geringere Herausforderungen als in anderen Balkanländern. Die slowenische Infrastruktur eignet sich für Logistik Dienstleistungen optimal. 

Wasser- und Seestraßen: Die Hafenstadt Koper an der Adria ist durch die Autobahn sehr gut an die Städte im Inland angebunden. 

Verkehrsverbindungen: Ähnlich schnell wie das Land selbst haben sich auch die Verkehrsverbindungen in Slowenien entwickelt. Das Land ist aufgrund seiner zentralen Lage zwischen Österreich, Ungarn, Kroatien und Italien zu einem der bevorzugten Balkanländer für Transport und Handel geworden.

Besonderheiten für die Spedition: Slowenien ist ein Land mit sehr gut ausgebauter Infrastruktur. Über die Autobahnen sind die Adria-Häfen gut erreichbar. Mittlerweile hat sich Slowenien auch zu einem Drehpunkt für den Verkehr nach Fernost und den Suezkanal entwickelt.



Kroatien

Die Straßen: In Kroatien sind die Straßen in verhältnismäßig gutem Zustand. Die noch nicht ganz fertig gestellte Autobahn von Maribor (Marburg) nach Zagreb über Krapina schließt die letzte Lücke einer durchgängigen Anbindung an Westeuropa. Die Regierung weiß um die zentrale Rolle Kroatiens für die wichtigen paneuropäischen Verkehrswege und investiert großzügig in den Straßenausbau und die Infrastruktur.

Logistik: In Kroatien gibt es im Sommer samstags und sonntags Fahrverbote sowie vor und nach Feiertagen. Aufgrund seiner zentralen Lage in Osteuropa steht Kroatien im Mittelpunkt der paneuropäischen Transportwege von Europa in die Türkei und von der Adria bis in die Ukraine. 

Wasser- und Seestraßen: Die Verbindung zur Adria spielt für den Transport von und zu den Bodenschätzen der Ukraine eine wesentliche Rolle. Durch die starke Zentralisierung des Landes ist das wirtschaftliche Zentrum aber weiterhin im Inland, in Zagreb. Im Osten des Landes fließt die Donau durch die Stadt Vukovar. Eine Rolle in der Berufsschifffahrt spielt auch die Drau, die vom Südosten Kroatien entlang der ungarischen Grenze nach Nordwesten fließt. Untergeordnete Bedeutung hat die Sava. 

Verkehrsverbindungen: Die schnellste Anbindung von Kroatien an Westeuropa führt über Österreich in Richtung Salzburg und Passau oder Wien. Die Hauptstadt Zagreb ist das Handelszentrum mit Flughafen, Bahnknotenpunkt, wichtigen Industrien, Dienstleistungen und Tourismus. Eine weitere wichtige Rolle spielen Osljek in der Region Slavonien mit seiner Textilindustrie sowie Karlovac mit Brauereien und Schuhindustrie.

Besonderheiten für die Spedition: Sprachkenntnisse und Kenntnisse der Region sind für den Spediteur wesentliche Voraussetzungen. Auch Kontakte zu Logistikunternehmen zahlen sich aus, um möglichst schnell und flexibel auf Veränderungen der Route reagieren zu können.



Serbien

Die Straßen: Alle Verkehrswege in Serbien sind in gutem Zustand. Das gilt gleichermaßen für den Straßen- wie den Schienenverkehr, den Luftverkehr und den Nahverkehr.

Logistik: In Serbien gibt es keine Fahrverbote. Auch heute noch findet man in Serbien logistische Gegebenheiten vor, die nicht den europäischen Ansprüchen genügen. Die Infrastruktur befindet sich noch im Aufbau, entsprechend schwierig ist es für Logistik-Dienstleister, sich in Serbien zu bewegen.

Wasser- und Seestraßen: Die Großschifffahrtswasserstraße Donau fließt durch Serbien und bildet unter anderem die Grenze zwischen Serbien und Rumänien. Sava und Theiss werden ebenfalls von der Berufsschifffahrt benutzt, spielen aber eine untergeordnete Rolle.

Verkehrsverbindungen: Die wichtigsten Städte sind die Hauptstadt Beograd mit dem Flughafen Nikola Tesia. Hier sind Holzverarbeitungsindustrie, Bauwirtschaft, Maschinenbauunternehmen und Textilindustrie sowie Bau und Schiffsbau ansässig. Die zweitwichtigste Stadt ist Nis, gefolgt von Smederevo, beides bedeutende Handelszentren der Lebensmittelindustrie und des Metall- und Maschinenbaus.

Besonderheiten für die Spedition: Aufgrund der infrastrukturellen Herausforderungen ist es unerlässlich, Erfahrungen vor Ort vorzuweisen beziehungsweise Kontakte im Land zu haben. Sprachkenntnisse und Kenntnisse des Landes sind für den Logistiker ebenso von großem Vorteil, da die serbische Mentalität für viele Europäer sehr fremd ist.


Bosnien-Herzegowina

Die Straßen: Nahezu alle Regionen in Bosnien-Herzegowina sind über Straßen erreichbar. Der Straßenzustand jedoch lässt an vielen Stellen zu wünschen übrig. Hinzu kommen Erdrutsche und Verkehrsunfälle, die an manchen Stellen zu Behinderungen führen. Nur etwa 40 km des Landes sind vierspurig ausgebaut. Alle anderen Straßen sind zweispurig und zum Teil ausgesprochen kurvig. Häufiger Nebel und schlechte Sichtverhältnisse erschweren darüber hinaus den Transport per LKW. Die Anzahl der Tankstellen hat zwar in den letzten Jahren stark zugenommen, Auto-Werkstätten jedoch finden sich längst nicht überall.

Logistische Aspekte: In Bosnien bestehen keinerlei Vorgaben bezüglich Fahrverboten. 

Wasser- und Seestraßen spielen in Bosnien-Herzegowina keine Rolle. Der Sava Fluss ist schiffbar, wird aber kaum genutzt.

Verkehrsverbindungen: Die Hauptstadt Sarajevo ist ein bedeutendes Handelszentrum mit Flughafen, Raffinerien, Brauerein und Tabakindustrie. Wichtige Städte sind weiterhin Tuzia und Mostar. Von Tuzia aus gehen wichtige Bahnverbindungen nach Beograd und Brcko, von Mostar aus nach Ploce-Vindovici. Nach Westeuropa führt der Weg über die Steiermark und Kärnten in Richtung Salzburg, Passau oder Wien.

Besonderheiten für die Spedition: Der Ausbau der Infrastruktur ist in Bosnien-Herzegowina noch in den Anfängen. Immer noch gilt das Land als eines der am wenigsten entwickelten in Europa. Umso mehr sind Kenntnisse des Landes und Kontakte wichtig, will man Waren und Güter von und nach Bosnien-Herzegowina transportieren.



Mazedonien

Die Straßen: Während die Hauptstraßen allgemein in gutem Zustand sind, sind die Nebenstraßen zum Teil sehr schlecht und nachts nicht beleuchtet. Man muss jederzeit mit Pferdekutschen, Tieren sowie Steinschlag und Erdrutschen auf den Straßen rechnen. Straßenverkehrsdienste gibt es nur in Teilen der Region. 

Logistik: In Mazedonien gibt es keine Fahrverbote.

Wasser- und Seestraßen für die Berufsschiffahrt sind in Mazedonien nicht vorhanden.

Verkehrsverbindungen: Aufgrund der wirtschaftlich angespannten Situation als eines der ärmsten Länder Europas ist Mazedonien noch wenig entwickelt. Straßen und Verkehrswege befinden sich zum Teil in einem desolaten Zustand. Die Beleuchtung der Straßen ist nicht durchgängig gewährleistet. Hauptstraßen sind jedoch problemlos befahrbar.

Besonderheiten für die Spedition: Das kleine Land wird erst zukünftig eine wirtschaftliche Rolle in Europa spielen. Wer jetzt schon in Mazedonien den Grundstein dafür legt, ist eindeutig im Vorteil. Sprachkenntnisse und Kenntnisse von Land und Mentalität sind dabei sehr hilfreich.



Montenegro

Die Straßen: Das aufstrebende Land investiert in die Infrastruktur und die Verkehrswege. Die Straßen sind gut befahrbar. Unebenheiten und Löcher kommen aber häufig vor. Nebenstraßen sind manchmal Schotterstraßen.

Logistik: Fahrverbote gibt es in Montenegro von Seiten des Gesetzgebers nicht.

Wasser- und Seestraßen: Die Stadt Bar liegt an der montenegrinischen Adriaküste. Sie ist bedeutender Seehafen und Ausgangspunkt der Bahnstrecke nach Belgrad. Über eine Autobahn ist sie mit Serbien verbunden.

Verkehrsverbindungen: Eine Autobahn führt von Boljare in Serbien bis nach Bar an der Adria. Von hier aus gehen Fähren nach Bari und Ancona in Italien.

Besonderheiten für die Spedition: Montenegro ist kein EU-Mitglied, alle Waren sind daher Drittlandswaren. Die entsprechenden Zollbestimmungen sollte der Logistikdienstleister daher kennen. Allerdings gibt es zwischen der EU und Montenegro ein Handelsabkommen. Bei Gefahrguttransporten muss das Unfallmerkblatt jeweils in der Landessprache vorliegen.



Kosovo

Die Straßen: Autobahnen gibt es im Kosovo nicht. Der Verkehr wird ausschließlich über schlechte Land- und Nebenstraßen abgewickelt. Das führt zu langen Transportzeiten. 

Logistik: Landes- und Sprachkenntnisse sind für Logistikdienstleister aufgrund der desolaten Infrastruktur unbedingt erforderlich. Es gibt weder Autobahnen noch Bahnverkehr im Kosovo.

Wasser- und Seestraßen: Wichtigster Fluss ist der Weiße Drin. Er entspringt bei Pec und fließt durch den Westen des Kosovo.

Verkehrsverbindungen: Die wichtigsten Routen führen über Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Montenegro ins Kosovo oder auch über Ungarn, Rumänien und Bulgarien sowie Mazedonien. Von Italien aus kann man mit der Fähre nach Griechenland übersetzen und von dort aus weiter über Mazedonien ins Kosovo fahren. 

Besonderheiten für die Spedition: Wer über Rumänien fährt, darf nur 20 Tonnen Ladung mitführen. In Kosovo selbst bereiten Kriminalität und die hohe Korruption die größten Probleme. Aufgrund der schlechten Infrastruktur muss der Logistiker ausgesprochen spezialisiert sein und über Erfahrungen im Land verfügen. Da es so gut wie keinen Bahnverkehr gibt, ist das Land auf den Warentransport per Auto angewiesen.



Rumänien

Die Straßen: Mit Hilfe von Fördergeldern der EU hat Rumänien viele Straßen erneuert. Tatsächlich gibt es neben sehr schlechten Nebenstraßen auch hervorragende, neue Straßen. Insgesamt gesehen ist das Verkehrsnetz in Rumänien jedoch verbesserungswürdig.

Logistik: Die Zentren des Handels sind Bukarest, Brasov, Baia Mare und Timisoara. Hier bestehen für Spediteure auch Lagermöglichkeiten. 

Wasser- und Seestraßen: Der einzige Fluss von Bedeutung ist die Donau mit dem Donau-Schwarzmeer Kanal. Sie fließt entlang der Grenze zu Serbien und Bulgarien, also im Süden des Landes. Größter Hafen ist Calafat. Die Flüsse Pruth und Canal Bega sind nicht durchgängig schiffbar.

Verkehrsverbindungen: Von Westeuropa aus verbindet die E60 Österreich und Ungarn mit Rumänien.

Besonderheiten für die Spedition: Logistikdienstleister mit einem Netzwerk in Rumänien sind eindeutig im Vorteil. Wie in anderen Balkanländern auch sind hier Sprachkenntnisse und Landeskenntnisse von großem Vorteil.




Albanien

Die Straßen: Die Handelszentren Albaniens sind Tirana, Durres, Elbasan, Vlora und Shkodra. Die Infrastruktur Albaniens ist schlecht. Zwar wurden die Hauptverkehrsverbindungen deutlich verbessert, die Versorgung der ländlichen Gebiete mit Gütern und Waren ist jedoch immer noch schwierig.

Logistik: Logistikdienstleister müssen in Albanien aufgrund der desolaten Infrastruktur sehr flexibel reagieren können. Die Verkehrswege sind zum Teil nicht durchgängig ausgebaut.

Wasser- und Seestraßen: Albanien grenzt an die Adria und das Ionische Meer. Mit mehr als 350 km Küste und dem großen Inlandsfluss Drin verfügt Albanien über wichtige Wasserwege und Seehäfen. 

Verkehrsverbindungen: Es besteht grundsätzlich ein Autobahnnetz, das die wichtigen Städte miteinander verbindet. Die A1 verbindet Durres mit Morina, die A2 Tirana mit Tepelena.

Besonderheiten für die Spedition: In Albanien sind nicht nur die schlechten Verkehrswege ein Problem. Hinzu kommen Schwierigkeiten in der Wasser- und Stromversorgung. Kontakte und Kenntnisse der Landessprache sind ausgesprochen hilfreich.



Bulgarien

Die Straßen: Das Straßennetz in Bulgarien ist gut ausgebaut. Mehr als 90 Prozent aller Straßen sind asphaltiert. Ein kleiner Teil der Straßen nur ist als Autobahn ausgebaut.

Logistik: Hauptwirtschaftsstandorte sind Sofia, Burgas und Lowetsch sowie Stara Sagora. Bulgarien entwickelt sich immer mehr zum Standort der Automobil-Zulieferindustrie. Der Süden ist Hauptstandort der Wirtschaftsunternehmen. Hier sitzen Chemische Industrie, Lebensmittelindustrie und Metall- und Maschinenbau sowie Textilunternehmen.

Wasser- und Seestraßen: Der einzige Fluss für den Gütertransport ist die Donau. Sie bildet die Grenze zwischen Bulgarien und Rumänien und ist auf 470 km schiffbar.

Verkehrsverbindungen: Bulgarien ist ein Transitland. Die wichtigsten paneuropäischen Verkehrsstraßen führen von Dresden über Budapest und Sofia nach Thessaloniki, von Tirana nach Burgas und von Helsinki über Moskau und Bukarest nach Alexandropolis. Das Verkehrsnetz ist dementsprechend in gutem Zustand. Der Warentransport führt fast ausschließlich über die Straße.

Besonderheiten für die Spedition: Bulgariens wichtigster Handelspartner ist Deutschland. Deutschland exportiert Waren im Wert von 2,3 Milliarden Euro nach Bulgarien und importiert Güter in Höhe von 1,4 Milliarden Euro. Korruption ist ein großes Problem. Ohne Kontakte in Bulgarien ist es für Logistikdienstleister schwer, Fuß zu fassen. 

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Peter Lehnert
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